Mercedes Benz  1955                  Geschichte

Phönix aus der Asche

Während der Bau des Renntransporters schon im „ersten Leben“ ein mutiges und visionäres Projekt war, bedeutete der Plan, diesen Zeitzeugen der Mercedes-Benz Rennsportgeschichte „wiederzubeleben“, fast noch eine Steigerung. Da für den Renntransporter kaum Aufzeichnungen und Pläne vorlagen, mussten diese in akribischer Detailarbeit rekonstruiert werden.

 

Die Verschrottung war ein schmerzlicher Verlust, der im Laufe der Zeit den Verantwortlichen des Mercedes-Benz Museums keine Ruhe lässt, zumal es immer wieder Anfragen aus aller Welt gibt, wo denn der berühmte Renntransporter geblieben sei, ob man ihn sehen oder fahren könne.

Nachhaltige Recherchen im Hause brachten schließlich an den Tag, dass es nur sehr wenige Aufzeichnungen über diesen Wagen gibt, teilweise im Konzernarchiv, teilweise in den Unterlagen von Zeitzeugen. Weiter helfen auch mündliche Berichte über den seinerzeitigen Ablauf des Geschehens. So konnten Eckdaten rekonstruiert, Fotos sichergestellt und so manche Einzelheit wieder ans Tageslicht befördert werden. Konstruktionszeichnungen waren allerdings nicht vorhanden. Der Renntransporter war „freihändig“ entstanden, wie so manches andere Unikat bei Daimler-Benz.

 

Der Firma MIKA GmbH in Mölln, spezialisiert auf die Restau-rierung von Kraftfahrzeugen, fiel schließlich im Auftrag des Mercedes-Benz Museums 1993 die ehrenvolle Aufgabe zu, anhand von Fotos und vorhandenen Eckdaten den Renntransporter originalgetreu zu rekonstruieren. Eine Herausforderung, die meisterhaft bewältigt wurde. Fast 6000 Arbeitsstunden stecken im wiedererstandenen Renntransporter. Es heißt sieben Jahre tüfteln, erarbeiten der Lenk- und Schaltgeometrie, entwerfen des Kabelbaums, herstellen der Heckfenster der Kabine und der Details unter dem Blech, die es sonst noch gab. Eine besondere Freude, die wie so oft in kleinen Dingen liegt, war für die Mitarbeiter von MIKA ein winziges Detail: Der heute noch lieferbare Mercedes-Stern, der einst das Heck des Originals zierte, passte in seiner Krüm-mung exakt auf den Nachbau. Es war der des 300 S. Eine kleine Abweichung vom Original wurde aus Sicherheitsgründen gestattet: Die Vorderradbremsen sind die Scheibenbremsen des SL von 1989. Dafür entfiel die Scheibenbremse zwischen Kardanwelle und Differential. Alle sonstigen technischen Daten wie Motorleistung, Achskonfigurationen, Getriebeabstufungen, Außenmaße, die Schalensitze samt Bezugsstoffen, die Anordnung des Drehzahlmessers, die genauen Maße der Auffahrtschienen, entsprechen exakt denen des Originals.

 

Einer, der das Original noch kannte, meinte bei der Vorstellung der Replik: „Wie schön, dass es ihn wieder gibt“ und dabei lag jenes Vibrieren in seiner Stimme, das ein Wiedersehen nach langer Trennung begleitet.

Technische Daten des Originals

 

Werksbezeichnung: Schnelltransporter
Baujahr: 1954
Bauzeit: 1953 -1954 ; Stückzahl: 1
Neupreis: --*

 

Motor:
Wassergekühlter Reihen-Sechszylinder mit Benzin-Direkteinspritzung; Bohrung/Hub 85 x 88 mm; Hubraum 2998 cm3; Leistung 192 PS bei 5500 /min; max. Drehmoment 25,8 mkg bei 4700 /min; Verdichtung 8,3:1; Elektrik 12 Volt; Verbrauch 25 l/100 km.

 

Kraftübertragung:
Antrieb auf die Hinterräder; Daimler-Benz Einscheiben-Trockenkupplung; vollsynchronisiertes Viergang-Getriebe mit Evolventen-Verzahnung; Übersetzungen: I. 3,44; II. 2,29; III. 1,53; IV 1,0; R 4,67; Hinterachse mit Hypoid-Verzahnung.

 

Fahrgestell:
Rahmen vom 300 S vorne und hinten verlängert; Querlenker und Schraubenfedern vorn; Pendelachse mit tiefgelegten, getrennten Drehpunkten für beide Achsträger hinten; Drehstabstabilisator; vier Trommelbremsen mit Servounterstützung; Motorbremse; Kardan-Scheibenbremse; Felgen 5,5 K x 15; Reifen 7,60 x 15. Kraftstofftank 150 Liter.

 

Abmessungen/Gewichte:
Radstand 3050 mm; Gesamtlänge 6750 mm; Breite 2000 mm; Höhe 1750 mm; Spurweite vorn 1480 mm, hinten 1525 mm; Trockengewicht 1865 kg; Bruttogewicht (fahrfertig) 2100 kg.

 

Fahrleistungen:
Höchstgeschwindigkeit ca. 170 km/h.

 

Daten und Fakten in kurzform :

 

Motor: wassergekühlter Reihen-Sechszylinder mit obenliegender Nockenwelle, Bosch-Benzineinspritzung.
Bohrung x Hub: 85 x 88 mm.
Hubraum: 2.996 cm3.
Leistung: 141 kW (192 PS) bei 5.500/min.
Kraftübertragung: Viergang-Getriebe.
Länge/Breite/Höhe: 6.750/2.000/1.750 mm.
Leergewicht: 2.100 kg.
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h.
Sonstiges: Zusätzlich zu den vier Trommelbremsen mit pneumatischem Bremskraftverstärker sorgt eine zwischen Gelenkwelle und Differenzial positionierte Scheibenbremse für gute Verzögerungswerte des Last-Wagens.

 

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