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SL-Transporter 1955

Der zweit schnellste Renntransporter der Welt


Den "Schöpfern" des Renntransporters gelang die Quadratur des Kreises: Sie kreierten ein in Optik und technischer Perfektion wahrhaft einmaliges Fahrzeug. Und lieferten der Rennabteilung exakt das, was sie brauchte: Ein unvergleichlich schnelles Fahrzeug zum Transport der Rennboliden.
Der X-Rohrrahmen des 300 S wird vorne und hinten verlängert, damit auf der angestrebten "Ladefläche" genug Platz für einen Mercedes-Benz Rennwagen verfügbar ist. Der SL-Motor, mit Benzin-Direkteinspritzung, bekommt seinen Platz "wie im richtigen Leben" knapp über der Vorderachse. Das Viergang-Synchrongetriebe mit Evolventen-Verzahnung ist samt Daimler-Benz Einscheiben- Trockenkupplung am Motor angeflanscht.

Als Vorderachse dient eine Doppel-Querlenkerachse mit Schraubenfedern und Fichtel & Sachs-Stoßdämpfern. Die Hinterachse ist eine Pendelachse mit Hypoid-Verzahnung von Teller- und Kegelrad, tiefgelegten, getrennten Drehpunkten für beide Achsträger, Schraubenfedern, Drehstab-Zusatzfeder und ebenfalls Fichtel & Sachs-Stoßdämpfern. Der Radstand fällt mit 3050 Millimetern beachtlich aus.

An allen vier Rädern bieten hydraulische Verbund-Trommelbremsen mit pneumatischem Bosch-Bremsverstärker zuverlässige Verzögerung des Gesamtgewichtes, das - mit Ladung - knapp 3000 Kilogramm beträgt. Zwischen Kardanwelle und Differential sorgt eine Scheibenbremse für zusätzliche Sicherheit, und um das Maß voll zu machen, erhält der Renntransporter eine Motorbremse - ein Novum in Verbindung mit einem Pkw-Motor. Dieser Motor ist der originale 3-Liter-Reihen-sechszylinder des 300 SL, der unter Berücksichtigung der Schwerarbeit, die vor ihm liegt, von 215 PS auf 192 PS gedrosselt ist. Zusammen mit dem hohen Drehmoment von 25,8 mkg bei 4700 /min erreicht der Renntransporter letztlich spielend 160 bis 170 Stundenkilometer, je nachdem, was er auf dem Buckel hat.

Alle diese Komponenten verschwinden unter einem Blechkleid, das der Phantasie, Kreativität, Schaffensfreude und handwerklichen Kunst der Karosseriebauer ein für alle Mal ein Denkmal setzt. Für Kenner ist sofort auszumachen, dass der Mittelteil der Fahrerkabine, von der Windschutzscheibe bis zur Türhinterkante, vom Serienmodell 180 abstammt. Nur, das Ganze ist breiter. Der Bug, in kurzer Rundung steil abfallend, mündet in einer SL-artigen Kühlluftöffnung, die der Mercedes-Stern ziert. Seitlich begrenzen unverkennbar vom 180er stammende Kotflügelstummel mit integrierten Haupt- und Nebelscheinwerfern die Rundungen der Vorderpartie, und eine dreifach geschwungene, weit in die Seite gezogene verchromte Stoßstange mit großen Hörnern bildet den vorderen Abschluss.

Den Ingenieuren glückte ein technisches Meisterwerk. Sie schufen ein Unikat, dessen Herkunft unschwer zu erkennen war. Ob Karosserie, Motor oder Rahmen: Dem Renntransporter ist der Mercedes ins Gesicht geschnitten. Der hintere Teil der Kabine ist ab etwa Sitzoberkante nach hinten außen gewölbt, in der Mitte etwas spitz zulaufend und mit zwei großen, in zwei Ebenen gewölbten Glas-Heckfenstern versehen, der besondere Stolz der Glaskünstler. Unter diese nasenartige Form passt wie hineingegossen der Bug eines SLR oder eines Formel-1-Wagens.Hinter dieser tief vor der Vorderachse aufgehängten Kabine beginnt der Transportteil dieses bemerkenswerten Gefährts, avantgardistisch wie alles an diesem Fahrzeug. Rahmen, Motor, Kühler, Achsen, Tank verschwinden hinter einer vollständigen Verkleidung. Die Kotflügel vorne wie hinten sind elegant weit nach hinten gezogen, umschließen strömungsgünstig die Räder und verbinden durch ihre fließenden Linien auf unaufdringliche Art Ladegut und Ladungsträger zu einer unverkennbaren Einheit. Verbunden sind die vorderen und hinteren Kotflügel durch eine schräg nach innen oben reichende Verkleidung, die mit der eigentlichen Ladefläche abschließt. In diesem zurückgesetzten Zwischenachsraum liegt auf jeder Seite ein schräg angeordnetes Reserverad, schnell greifbar, wenn es denn sein müsste. Der Clou dabei sind deren Radkappen, auf denen je ein Dreibein fest montiert ist. Diese Teile dienen der Abstützung der U-förmigen, zweiteiligen Auffahrtschienen für die Rennwagen, die dann, mit Stahlseilen festgezurrt, in fest installierten, vorne aufwärts gebogenen Schienen stehen.

Die Auffahrtschienen liegen während des Transportes gut gesichert dazwischen. Den hinteren Abschluss des Ensembles bildet eine vollverkleidete Heckpartie, die Anklänge an das Heck des 300 SLR aufweist und so auch aus dieser Sicht seinen Zweck deutlich macht. Natürlich begrenzt durch eine einteilige, ebenfalls verchromte Stoßstange, denn schließlich, so meinten seine Erbauer, ist das Ganze doch weit-gehend ein Pkw, wenn auch zum besonderen Zweck des Transportes von Rennwagen bestimmt. Da stand er nun, so um die Mitte des Jahres 1954, in der vollen Länge von 6750 Millimetern, 2000 Millimeter breit, nur 1750 Millimeter hoch, mit seiner ganzen Dynamik, seiner Kraft, in seinem extravaganten Kleid, natürlich im Mercedes-Benz Blau, von der ganzen Anmutung her vorwärtsdrängend - "schnell" schon im Stand. "Für uns in der Rennabteilung", so ein ehemaliger Mitarbeiter, "war dieses Auto ein Segen. Wir hatten jetzt häufiger ein paar Stunden mehr Zeit, um einen der Einsatzwagen, bei denen es ja meist noch um letzte Abstimmungen oder Änderungen ging, mit noch mehr Sorgfalt und etwas weniger Hektik einsatzfertig zu machen. Andererseits kam ein beschädigter oder sonst wie defekter Wagen schneller zurück, das ergab zusätzliche Zeit für die anstehenden Reparaturen. Schließlich wurden die Wagen nach jedem Rennen zerlegt, geprüft, schadhafte
Teile erneuert oder geändert, dem nächsten Rennen und dem
jeweiligen Fahrer angepasst".

Technische Daten des Originals

Motor:
Wassergekühlter Reihen-Sechszylinder mit Benzin-Direkteinspritzung; Bohrung/Hub 85 x 88 mm; Hubraum 2998 cm3; Leistung 192 PS bei 5500 /min; max. Drehmoment 25,8 mkg bei 4700 /min; Verdichtung 8,3:1; Elektrik 12 Volt; Verbrauch 25 l/100 km.
Kraftübertragung:
Antrieb auf die Hinterräder; Daimler-Benz Einscheiben-Trockenkupplung; vollsynchronisiertes Viergang-Getriebe mit Evolventen-Verzahnung; Übersetzungen: I. 3,44; II. 2,29; III. 1,53; IV 1,0; R 4,67; Hinterachse mit Hypoid-Verzahnung.
Fahrgestell:
Rahmen vom 300 S vorne und hinten verlängert; Querlenker und Schraubenfedern vorn; Pendelachse mit tiefgelegten, getrennten Drehpunkten für beide Achsträger hinten; Drehstabstabilisator; vier Trommelbremsen mit Servounterstützung; Motorbremse; Kardan-Scheibenbremse; Felgen 5,5 K x 15; Reifen 7,60 x 15. Kraftstofftank 150 Liter.
Abmessungen / Gewichte:
Radstand 3050 mm; Gesamtlänge 6750 mm; Breite 2000 mm; Höhe 1750 mm; Spurweite vorn 1480 mm, hinten 1525 mm; Trockengewicht 1865 kg; Bruttogewicht (fahrfertig) 2100 kg.
Fahrleistungen:
Höchstgeschwindigkeit ca. 170 km/h.

 

The second fastest racing car transporter in the world

It was the star of the drivers’ crews – the royal blue racing car high-speed transporter from Mercedes-Benz. In the mid-fifties, it attracted more attention on Europe’s racing tracks than the Silver Arrows that it transported. However, its days were numbered when Mercedes withdrew from Grand Prix Racing in 1955. It eked out an existence as a refuse transporter on the factory premises before finally being scrapped in 1967. A restoration company from Mölln has now painstakingly reconstructed this famous racing transporter true to every last detail.

Mercedes and post-war racing sport.

With the newly developed 300 SL, Mercedes-Benz celebrated in 1952 its first successes in sports car racing tournaments such as the Mille Miglia. The Board of Management and the racing organizers were confident enough after notching up their first victories to return to the Grand Prix sports scene from 1954 onwards. In addition to the development of the 2.5-litre induction engine racing car W 196, Mercedes set itself the task of designing a racing car transport to match.

Alfred Neubauer, the legendary Mercedes-Benz racing organizer, had already designed a transporter for an eight-cylinder racing car back in 1924 for the Daimler-Motoren-Gesellschaft, and thus had a clear notion of how to construct the new racing transporter. It was supposed to be fast, very fast, even whilst carrying a Silver Arrow or an SLR, and be kitted out with the right brakes to handle this job.

In the responsible department for designing prototypes, it was agreed to combine the frame, engine and parts of the body from a number of vehicles, namely the X-tubular frame from the 300 S, the in-line six cylinder engine of the gullwing 300 SL model as well as components from the driver’s cab and the interior of the 180 series vehicles.

The tubular frame was extended to create a larger load floor, the 3-litre engine was positioned just above the front axle and throttled from 215 bhp to 195 bhp. Hydraulic drum brakes with brake boosters, an additional disc brake and an engine brake ensured the required deceleration rates – quite a tall order for this transporter, which had a total weight of 3000 kg when laden and was capable of reaching top speeds of up to 170 km/h.

However, it was not only the performance, but also the body of this racing transporter that was unique – streamlined, flowing contours; a nose-shaped driver’s cab that bulged out to the rear, a fully panelled rear section and formal echoes of the 300 SL and SLR made this blue transporter a real eye-catcher away from the racing track.

For the racing department, this racing transporter proved to be a real blessing. Prior to the race itself, the racing team had more time for making those final adjustments and fine tuning, and could transport faulty cars back after the race more quickly in order to get them ready for the next competition.

When Daimler-Benz withdrew from motor racing in 1955, there was no longer any true usage for the now legendary racing transporter. First of all, it was borrowed at exhibitions in the United States, and was later used on the company premises back home as a refuse transporter, before finally being scrapped in 1967 on the instructions of the head of development Uhlenhauts.

Over the years, however, the number of enquiries about this unique specimen accrued at the Mercedes-Benz Museum. Unfortunately, only few records could be found in the company archives. No design plans whatsoever could be found – the transporter had been designed “freehand” as it were. In the early 90’s, the decision was taken in Stuttgart to have the legend reconstructed true to the original in spite of the sketchy documents.

The restoration company MIKA GmbH in Mölln took on the challenge. On the basis of photos, verbal reports and reconstructed key data, the high-speed transporter was brought back to life within 7 years and around 6000 hours of labour. From the engine power to the total weight through to the fabric used for covering the bucket seats – every last detail is true to the original.

“Only the paintwork”, comments a contemporary witness of the first racing transporter, “is a touch too blue”. After all, those restoring the transporter only had black-and-white photos at their disposal when reconstructing the original colour.
 

 

Technical data of the original


Engine: Water-cooled series six cylinder with gasoline
benzin-Direkteinspritzung; Drilling/stroke 85 x 88 mm; Capacity 2998
cm3; Performance 192 HP with 5500 / min; max. torque 25.8 mkg with
4700 / min; Compression 8,3:1; Electrical connection 12 V;
Consumption 25 l/100 km.

Power transmission: Drive on the rear wheels; Daimler Benz dry
single plate clutch; full-synchronized viergang-Getriebe with
involute toothing; Translations: I. 3,44; II. 2,29; III. 1,53;
IV 1,0; R 4,67; Rear axle with hypoid gearing.

Chassis: Framework of 300 S extends in front and in the back;
Wishbone and coil springs in front; Pendelachse also low-put,
separate fulcrums for both oh carriers in the back; Torsion bar
stabilizer; four drum brakes with servo support; Exhaust brake;
Brakebrake brake; Rims 5.5 K x 15; Tire 7.60 x 15. Fuel tank of 150
litres.

Dimension/weights: Wheel base 3050 mm; Total length 6750 mm; Width
2000 mm; Height of 1750 mm; Track width in front 1480 mm, in the
back 1525 mm; Dry weight 1865 kg; Gross weight () 2100 kg.

Road performances: Maximum speed approx. 170 km/h.
 

 

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